Ah, Sudoku. Gerade in der Zeit, als ich unterfordert bei der Arbeit rumlungerte, waren diese Zahlenrätsel ein willkommener Beleg für das andauernde Funktionieren meines Gehirns.
Die erste Arbeit im Jahr: Das Schneiden. Wir schneiden die letztjährigen Zweige auf wenige Centimeter über dem Rebstock zurück, um pro Horn jeweils nur zwei Treibe wachsen zu lassen.
(Die unscharfen weissen Knospen am linken Ast werden dereinst die Trauben tragen.)
Je weniger Treibe wachsen, desto weniger Trauben können wir ernten werden. Dafür konzentriert sich der für die Gärung wichtige Zucker in diesen Trauben. Und damit beginnen wir mit dem ewigen Balancieren zwischen Quantität und Qualität. Zuviel Ernte mit zuwenig Zucker führt zur Deklassifikation und zu enormen Einsatzeinbussen. Seit einigen Jahren patrouilliert die Kellerei gelegentlich sogar in den Parzellen. Nach der grossen Fendantschwemme, welche bis 1982 anhielt und den Weinbau im Wallis fast in den Untergang trieb, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein extreme Qualitätssensibilisierung eingestellt.
Bei uns stellte sich letzten Samstag aber nur noch der Winter ein: Schneefall vertrieb uns nach getaner Arbeit ziemlich schnell aus dem Berg und heim in die warme Stube.
Gelegentlich habe ich in diesem Blog schon darüber berichtet, oder vielleicht hast du auf meinem Lebenslauf schon mal das Wort Winzer entdeckt: Meine Grosseltern waren Bergbauern in Visperterminen. Vom Hof bleibt nur noch wenig übrig, das einzige was wir als Sippe noch intensiv bewirtschaften, sind unsere Rebfelder.
Durch die Erbteilung laufend zerstückelt, besitzen meine Eltern und ihre Geschwister zusammen eine Vielzahl von Parzellen am höchstgelegenen Weinberg Europas.
Weinbau ist das ganze Jahr über sehr arbeitsaufwendig und beschränkt sich leider nicht nur aufs Degustieren. In der Form, wie wir es praktizieren, ist es mehr Freude an der Sache als profitorientiert: Wochenende für Wochenende schuften, hegen und pflegen wir unsere Rebstöcke; im Herbst lesen wir die Trauben und verkaufen diese der St. Jodern-Genossenschaftskellerei. Die Kellerei kümmert sich um die professionelle Produktion, um das Abfüllen und den Weiterverkauf des Weins. Wir dürfen diesen zu einem Vorzugspreis zurückkaufen.
Ich werde dieses Jahr die Arbeiten in unserem Rebberg hier dokumentieren. Wer es etwas weniger trocken mag, darf im Herbst Wimden helfen kommen. (Die kommerzielle Alternative, das Wii-Grill-Fäscht, ist schon lange ausgebucht…)
Stephen Colbert hat das Schweizer Haus an der Winterolympiade 2010 in Vancouver besucht. Und dabei ein Rechaud voll Fondue getrunken.
Wer sich über die Schweizer Klischees in diesem Beitrag oder in unserem Schweizer Haus ärgert, sollte sich noch den Beitrag über das Irländische Haus ansehen. Das ist Kultur.
Auf dem Blog von Seth Godin gibt es ein tolles Video von einem Musikfestival, auf dem sich spontan eine Tanzgruppe bildet. Lesenswert auch der Kommentar von Godin dazu: Wir brauchen mehr begeisterungsfähige Mitmenschen.
Zwei globalisierungskritische Organisationen fanden sich in Bern letztes Jahr zusammen und importierten gemeinsam eine Idee aus Frankreich: Ab Mitte März liefern sechs Bauernhöfe aus der Region aktuelles und frisches Gemüse und Früchte in die Stadt. Als Konsument verpflichte ich mich ein Jahr lang jede Woche einen dieser Essenskörbe abzuholen. Die Organisation läuft unter dem Namen Soliterre und versucht damit, die Produzenten wieder näher an die Verbraucher zu bringen.
Ich bin sehr gespannt auf unseren ersten Korb. Soliterre sucht noch weitere Abonnenten, vielleicht wäre das auch etwas für dich.
Letzten Sonntag kam ich auf Umwegen zu Tickets für eine kulturelle Veranstaltung, welche einer Schweizer Privatbank für ihre Aktionäre und Kunden anbot. Im Berner Kursaal spielte das Capriccio Basel-Barockorchester vor vollem Publikum ein klassisches Konzert.
Der ganze Anlass weckte in mir einen Ausdruck von Mutlosigkeit: Die Stücke waren fast ausschliesslich gefälliger Mozart. Das Orchester war exzellent, aber das Programm dadurch kaum anspruchsvoll. Beim anschliessenden Apéro gab’s, was für eine Überraschung, Orangensaft und Wein.
Dem Publikum vom Pensionären gefiel es sichtlich. Ich fand es eher auf der langweiligen Seite. Allerdings denke ich darüber nach, einzelne Aktien von Unternehmen zu kaufen. Irgendwie könnte man sein Portfolio doch sp optimieren, um diese Art von Dividenden auszureizen. Wie damals mit dem UBS-Lunchpaket.
Jamie Oliver liefert an der diesjährigen TED-Konferenz einen leidenschaftlichen* Vortrag über das Essen, welche den Kindern in der ersten Welt verfüttert wird. Sein Hauptargument: Unsere Westliche Diät ist drauf und dran, unsere durchschnittliche Lebenserwartung um 10 Jahre zu senken.
Er ist überzeugt, dass mit einer besseren Ausbildung von Kindern und Eltern, einer grösseren Informationspflicht der Hersteller und einer erhöhten Finanzierung von Schulküchen eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit der kommenden Generationen erzielt wird.
Wer sehen möchte, was an amerikanischen Schulen zum Teil für ‘Essen’ angeboten wird, sollte sich den TED-Vortrag von Ann Cooper ansehen.
* = Ok, in den ersten Minuten drückt er etwas auf die Tränendüse. Aber er ist wirklich sauer. Und das Bild eines XXL-Sarges spricht für sich.