Kurzkritik: H.P. Lovecraft – At the Mountain of Madness et al.

Über die exzellente Artikelreihe zur Geschichte von Videspielen The Digital Antiquarian von Jimmy Daher bin ich dank eines kleinen Exkurses seinerseits nach langer Zeit mal wieder bei einem Klassiker gelandet: Dem Horrorautor H.P. Lovecraft.

Drei Werke werden von Maher empfohlen und sind allesamt als Volltext frei verfügbar:

Alle drei gespenstischen angsteinflössenden, wenn auch etwas übertriebenen nostalgisch-machenden Erzählungen sind ungeheuerliche angereichert mit einer grossen unzähligen Anzahl prägender Adjektivsammlungen, welche jedem modernen gewöhnlichen Leser nur noch ein gelangweiltes und müdes Augenrollen unwillkürlich zu entlocken vermag.

Das soll den Charme von Lovecraft ausmachen, argumentieren seine Fans. Ich finde hingegen einzig seine Kurzgeschichten verdaulich. Alles längeren Text wie der erwähnte At the Mountain of Madness wirken in ihrer Schwerfälligkeit auf mich nur noch einschläfernd.

Kurzkritik: Hanabi

Ein auf einfache Regeln basierendes Kartenspiel, bei welchem man zusammen ein Feuerwerk hochgehen lässt. Der Clou: Die eigenen Karten sieht man nicht, man erhält aber vage Tipps von den Mitspielern. Das Resultat ist eine wunderschöne Illustration von Informationstheorie und menschlichen Missverständnissen.

Ich habe lange nicht realisiert, dass meine Spielgruppe auf der höchsten Schwierigkeitsstufe spielt. Kein Wunder habe ich mir jeweils den Kopf zerbrochen. Dafür ist Hanabi äusserst befriedigend, wenn die Rechnung aufgeht.

Kurzkritik: The Peripheral

William Gibsons neuester Roman ist wieder Science Fiction: The Peripheral spielt gleichzeitig in naher wie in mittelnaher Zukunft. Ich finde für gewöhnlich die Mechanik des Zeitreisens eine billige Notlösung für Autoren, aber in diesem Werk wurde sie relativ sanft und vernünftig angewendet. Das führt zu einer Welt, welche gerade interessant zu werden beginnt und dann ist das Buch auch schon wieder vorbei.

Zu kurz das Ganze, schade. Aber Gibson hat einen Hang zu Trilogien, vielleicht kommt da noch was…

Kurzkritik: Infinite Jest

David Foster Wallaces moderner Literaturklassiker Infinite Jest beschäftigte mich etwas über ein Jahr lang. Die wilde Mischung aus verschiedenen Schreibstilen, lange Beschreibungen von Tennisschulen, Drogentrips und Amateurfilmen, die etwas irrsinnige Welt der nahen nordamerikanischen Zukunft mit ihrem Abfallproblem (Alles wird nach Kanada katapultiert) und ihrem Terrorismusproblem (Die Kanadier sind nicht so glücklich darüber), das alles verpackt in einer anachronistischen Ordnung auf hunderten von Seiten, mit teils überlangen Sätzen* und einem vielfältigen, bunten, abwechslungsreichen, reichem Vokabular, das alles war faszinierend zu lesen und dennoch: Der Schluss liess den unendlichen Spass schnell zu Ende gehen. Etwas gar schnell. Dafür wird mir der Text sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Empfehlenswert für geduldige Leserinnen und Leser.

* = Und vielen Fussnoten.

Kurzkritik: Terry Pratchett – The Dark Side Of The Sun

Vor wenigen Tagen ist Terry Pratchett gestorben. Der perfekte Zeitpunkt, um mal wieder was von ihm zu lesen. In seiner Bibliographie entdeckte ich eine Reihe von Romanen ausserhalb des Scheibenwelt-Zyklus, woraufhin ich mir neugierig einen seiner frühen Science Fiction-Romane besorgte.

The Dark Side Of The Sun lässt leider seinen typischen Humor vermissen. Übrig bleiben nichts sagende Charakteren und eine mässig interessante Welt. Dieses Werk kann ich nicht mal Fans wirklich empfehlen.