Kurzkritik: Ernest Cline – Ready Player One

Die 80er-Jahr-Nostalgie-Orgie Ready Player One von Ernest Cline ist ein witziges unterhaltsames Science Fiction-Abenteuer, etwa ähnlich leicht verdaubar wie alles, was in den 80ern erschaffen wurde.

Ich habe es vor einiger Zeit gelesen und bin dank dem Trailer zum kommenden Film wieder daran erinnert worden. Den werde ich mir ansehen, aber danach ist wieder genug mit Nostalgie.

Netrunner

Wenn es etwas gibt, für was ich Nostalgie verspüre, dann ist es die Cyberpunk-Ästhetik der späten 80er Jahre. Ich war damals zu jung, um die Entwicklung dieser Subkultur live zu erleben. Deshalb sind meine Erinnerungen an diese Zeit so künstlich wie die Haarfarben der Frauen im Jahr 2027.

Echt hingegen war das Sammelkartenspiel Netrunner vom Magic-Erfinder Richard Garfield, welches 1996 Hacker gegen übermächtige Konzerne kämpfen liess. Leider war ihm nie ein grosser Erfolg beschert, aber auf mich machte die asymetrische Spielart und die Illustrationen einen starken Eindruck.

Gross war somit meine Freude, als ich den Re-Release dieses Spiels entdeckte: Android: Netrunner kam Ende 2012 heraus und bringt das Spiel mit einem leicht modifizierten Regelwerk zurück. Vom Sammelkartenprinzip wurde abgesehen, jetzt ist es ein sogennantes Living Card Game. Das Grundset und die Erweiterungen haben fixe Kartenbestände und vordefinierte Starterdecks.

Die ersten Spielrunden provozierten bei mir wiederum einen Schwall dieser künstlichen Plastiknostalgie. Ich bin begeistert.

Wer das Spiel ausprobieren und lernen möchte, kann das nächsten Freitag (18. Januar 2013, 19:30) im Länggasstreff, Bern bei der Spielnacht des Drachenäschts tun. Ich werde dort sein und es dir gerne beibringen.

Kickstarter zum Wochenende: The Great Giana Sisters

Eigentlich will ich mich seit dem Interview mit William Gibson nicht mehr in Nostalgie schwelgen (Zitat: Nostalgia is a dysfunction of the historical impulse, or a corruption of the historical impulse.).

Gelegentlich bricht setzt sie sich aber bei mir trotzdem durch: Auf Kickstarter läuft das Project Giana, um das Jump’n Run-Spiel The Great Giana Sisters wieder aufzuwecken.

Ich habe das Original dazumal, vor etwa 20 Jahren auf meinem heissgeliebten C64 gespielt. Und ich bin nicht unglücklich über die Renaissance der damaligen Spiele auf den neuen Plattformen wie iOS.

Atom-Nostalgie

Als Kind las ich stundenlang ein einer Sammlung von Broschüren zum Thema Atomenergie. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden sie seinerzeit von der BKW herausgegeben und zeigten mit vielen bunten Diagrammen die zahlreichen Sicherheitsmassnahmen von Atomkraftwerken und Sondermülldeponien. Ich war fasziniert: Die Kernkraft war ein Ausdruck modernster Technologie und verhiess eine sorgenlose Energiezukunft.

Heute, 20 Jahre später, hüpft mein Herz, wenn ich ein Windrad drehen sehe, oder sich die Sonne in Solarzellen spiegelt. Die Atomkraft hingegen wirkt auf mich wie eine kindische Idee aus längst vergangenen Zeiten. Ich weine ihr keine Träne nach.

Tausende Franken an Elektroschrott

Die Diskussionen um die Zügelpläne meines Bruders und, unabhängig davon, jene von mir, veranlassten meine Eltern zur Bitte, doch mal unsere ehemaligen Zimmer im Elternhaus endgültig leer zu räumen. Ich bin dieses Wochenende diesem Wunsch nachgekommen und präsentiere hier den Haufen an Elektroschrott, welchen wir entsorgen werden.

Nach mehreren Stunden Aufräumarbeit kamen neben vielen Erinnerungen dieses zum Vorschein:

  • Zwei 110 Liter-Abfallsäcke voller Abfall, Treiber-CDs und -Disketten, Verpackungsmaterial etc.
  • Zwei Bananenkisten voller Kabel
  • 3 Röhrenmonitore, einer davon ein ca. 20kg schweres 20″-Teil
  • 4 Paar Lautsprecher, die ältesten waren ein Hochzeitgeschenk der Eltern, ca. 35 Jahre alt
  • Spiegelreflexkameras, Videokameras, Scanner, Drucker, alles hoffnungslos veraltet
  • 2 PCs (Ein 486 DX2 100mhz osä. und ein G4) und jenste Komponenten: Soundblaster, SCSI-Adapter auf ISA-Basis, 3D-Grafikkarten, DialUp-Modems, Gamepads, Tastaturen…

Das ganze Material muss einen Neuwert von zehntausenden Franken gehabt haben. Das meiste davon ist heute wertlos, dennoch musste ich mich zusammenreissen um radikal aufzuräumen: Zu oft ertappte ich mich beim Gedanken, dass man dieses oder jenes vielleicht trotzdem noch brauchen oder verkaufen könnte. Laut meinen Informationen ist allerdings dieser Schrott nicht mal mehr bei Hilfswerken für den Export gefragt: Zu schwer, alt und stromfressend sind diese Geräte. Es bleibt nichts anderes übrig, als die Pilgerfahrt zum Entsorgungshof.

Am Schluss verweilte ich reflektierend vor dem Abfallberg: Noch nie hat sich mir die Materialschlacht in meiner Branche derart eröffnet, noch nie war mir deren Vergänglichkeit in dieser Form bewusst geworden. Und wenn ich mich in meiner aktuellen Wohnung umsehe, sehe ich dasselbe: Einen Haufen von Zeugs, welches ich kaum benutze und mir eine Last am Hals ist, besonders beim anstehenden Zügeln. Und ich verspüre den Drang, einfach alles aus dem Fenster zu werfen.

Ganz so weit, wie die Anhänger vom Cult Of Less (Digitaler Nihilismus: Alles weggeben, ausser ein paar Kleider und einen portablen Computer mit grosser Festplatte) werde ich nicht gehen können. Aber ich werde den Versuch in den kommenden Wochen wagen. Früher oder später wirst du eine Mail in deinem Posteingang finden, mit welcher ich meine Last auf dich abwälzen werde.

LAN-Parties gestern und heute

Meine erste LAN-Party muss ich vor ca. 10 Jahren besucht haben. Der Aufwand war riesig: Ich musste meine Eltern überzeugen die ganze teure PC-Ausrüstung zu transportieren, die Netzwerkkarte musste installiert werden, Verkabelung lief noch über BNC und das Treiber laden unter MS DOS war eine Wissenschaft für sich.

Und heute?

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