Aare Display

Aare Display: Fertig gebaut

2006 habe ich auf eBay einen digitalen Wecker günstig ersteigert. Die blaue Digitalanzeige darin war allerdings dermassen hell, dass an Schlaf nicht zu denken war. Also wanderte der Wecker in meine Bastelkiste und verblieb dort etwa ein Jahrzehnt.

Vor 4 Jahren kam ich auf die Idee, mir daraus eine Aare-Temperaturanzeige für den Schreibtisch zu basteln. Die Daten holt sich das Gerät via WLAN selbständig aus dem Internet, zur Stromversorgung reicht ein einfaches USB-Netzteil.

Lötarbeiten auf dem Balkon

Vergangenen Corona-Lockdown im April 2020 stellte ich das Projekt endlich fertig. Den Code und das Schema gibt es auf GitHub: cstuder/AareDisplay.

Seit langer Zeit hatte ich dafür wieder einen Lötkolben angefasst und zum ersten Mal überhaupt habe ich ein Elektronikprojekt von Anfang bis zum Schluss durchgezogen. Gelernt habe ich viel, hier einige Gedanken:

  • Das Ökosystem rund um die ESP8266 ist toll: Bibliotheken, Support, Blogbeiträge, YouTube-Tutorials. Jedes Problem das ich hatte, hat schon jemand vor mir gelöst.
  • Die ESP8266- und ESP32-Mikrokontroller machen Spass (Eingebautes WLAN, genügend Speicherplatz, diverse Schnittstellen) und sind günstig (Ab SFr. 3.-, Development Boards sind ab SFr. 9.- erhältlich).
  • Die ausführlichen Vorarbeiten haben sich gelohnt: Der Prototyp auf dem Breadboard, danach das Übertragen des Schemas zu KiCad. Dazwischen fleissiges dokumentieren in meinem Entwickler-Tagebuch.
  • Die Aare.guru-API hat sich bewährt: HTTP-Zugang ohne TLS, die leichten Methoden und neu wäre sogar direkter Text-Output möglich. Damit wäre der mitkompilierte JSON-Parser hinfällig.
  • Zu meiner absoluten Freude funktioniert das Aare Display schon monatelang wunderbar stabil.

Kurzer Werbeblock: Anstelle monatelanger Lieferzeiten aus China habe ich lieber etwas mehr bezahlt und mir Teile & Werkzeug prompt von der lokalen Bastelgarage liefern lassen.

Nahaufnahme Sieben-Segment-Anzeige mit Multiplexer
Die Lötstellen sehen akzeptabel aus. Ein bisschen stolz bin ich schon.

Einen äusserst interessanten Aspekt des Projektes fand ich ganz zu Beginn: Als ich den Digitalwecker auseinandernahm, interessierte ich mich für die verbauten Komponenten und habe diese etwas gegoogelt. Gefunden habe ich einen Digitalen-Wecker-Komplettlösung-Chip namens UTCLM8560. Als Softwareentwickler welcher praktisch ausschliesslich mit General Purpose-Prozessoren hantiert, war ich fasziniert von derartiger Hardware welche ein fixfertiges Produkt antreibt.

Kein Wunder hat der Hersteller des Original-Weckers hunderte von Uhren im Angebot: Das Problem ist gelöst, nur das Design wird noch endlos variiert.

UniversMCS Hausverkabelung auf 1 Gbit upgraden

Erst nach einigen Jahren in der aktuellen Wohnung habe ich bemerkt, dass unsere interne Hausverkabelung vom Typ UniversMCS nur auf 100mbit läuft. Selbst WLAN ist schneller als das und meine Glasfaser-Internetanbindung konnte ich so bei Weitem nicht ausreizen.

Etwas irritiert über den Umstand dass jemand im Jahr 2012 nur 100mbit-fähige Kabel verlegt, habe ich mich beim Hersteller Zidatech gemeldet. Die Antwort folgte prompt und ausführlich: Die Einschränkung entsteht durch die kombinierten Telefon- und LAN-Steckdosen. Die Lösung ist das Gigabit-Modul 100.040.751 Selbsteinbau. Kostenpunkt ca. 22.- SFr.

WLAN-Accesspoint mit Hausverkabelung verbunden

Der Einbau war sehr einfach und funktionierte auf Anhieb. Entgegen der Herstellerangaben auf der Webseite unterstützt das Gigabit-Modul auch Power-Over-Ethernet (PoE).

(Die kleinen Freuden am Leben: Kurze Netzwerkkabel. Ich habe mir gleich ein halbes Dutzend bestellt um sie in meinem Serverrack einzusetzen. An dieser Stelle muss ich vielleicht erwähnen dass mein Serverrack aus einer Ikea-Kartonschachtel besteht.)

Wesentlich schwieriger war es als Privatperson an dieses Einzelteil zu kommen: Der Hersteller verkauft es nur an Distributoren, die Distributoren nur an Elektrofachleute. Und der einzige Fachhändler in meiner Region mit Zidatech im Angebot, hat nach meinen ersten Mails und Telefonaten nicht mehr reagiert.

Glücklicherweise habe ich die Firma Elektro Zollinger gefunden, welche das Modul extra für mich in ihren Onlineshop aufgenommen haben.

Fazit: LAN beschleunigt, WLAN erweitert, einem sommerlichen Home Office auf dem Balkon steht nichts mehr im Wege.

20 Jahre Existenz.ch

Vor etwas über 20 Jahren sass ich in einem PC-Raum an der EPFL und war auf der Suche nach einem coolen eigenen Domänennamen. Sehr angetan von David Cronenbergs Film eXistenZ versuchte ich existenz.ch zu registrieren. Enttäuscht musste ich feststellen dass ein Institut für Existenzforschung diese bereits besetzt hatte.

Exakt heute vor 20 Jahren, am 21. Januar 2001 sass ich abermals in einem PC-Raum an der EPFL (Damals waren Laptops noch unüblich. Ich glaube mein erstes iBook hatte ich erst im Herbst 2001 oder Frühling 2002 gekauft.) Aus reiner Langeweile überprüfte ich erneut den Eintrag und siehe da: Das Institut für Existenzforschung hatte sich aufgelöst, die Domäne war frei.

Zwei Minuten später habe ich die Domäne registriert und benutze sie seither für persönlichen Belange. Insbesondere als eMail-Adressen-Domäne hat sie sich bewährt: Im Hintergrund habe ich bereits mehrfach den Email-Provider gewechselt ohne die Adresse selber ändern zu müssen. Letztes Jahr konnte ich so problemlos von Gmail zu Fastmail migrieren.

Fun Facts:

  • 2001 kosteten Schweizer Domänen noch SFr. 80.- zur Registration, und danach SFr. 48.- pro Jahr.
  • Die Switch hat damals alle Schweizer und Liechtensteiner Domänen selber verkauft. Weil sie aber als gemeinnützige Stiftung keinen Gewinn machen durfte, musste sie aufgrund des Internetbooms konstant die Preise senken. Ab 2015 musste sie den lukrativen Handel ganz an private Firmen abgeben. Heute kostet eine Schweizer Domäne noch etwa SFr. 15.- pro Jahr.
  • Ab diesem Jahr (1. Januar 2021) sind die Adressen der Domänenbesitzer*innnen bei einer WHOIS-Abfrage in der Schweizer Registry nicht mehr sichtbar. Wer meine private Postadresse wissen will, muss jetzt halt einfach mich fragen.

Langsam gereifter Pizzateig

Über das letzte Jahr hinweg hab ich das Pizzateigrezept aus Lutz Geisslers Hefebrotbackbuch (Siehe Neues Hobby: Brot backen) für meine Zwecke optimiert. Anbei eine detaillierte Anleitung zur Zubereitung ausserordentlich schmackhafter Pizzas im heimischen Ofen. Bon app.

Teig für 4 mittelgrosse Pizzas

460gPizzamehl oder Weissmehl
260gWasser
20gOlivenöl
10gSalz
0.3gFrischhefe (Entspricht einer Kugel mit 8mm Durchmesser)

Mit einer feinen Testreihe habe ich das Verhältnis Konsistenz zu Klebrigkeit optimiert. Je nach verwendetem Mehl kann die Flüssigkeitsmenge variieren: Je rauher das Mehl, desto mehr Wasser kann es absorbieren.

Zubereitung

  1. Alle Zutaten in einer Schüssel vermischen und zu einem glatten Teig formen. Der Teig braucht nicht geknetet zu werden.
  2. In einer gedeckten oder verschlossenen Schüssel bei Raumtemperatur 24-30h aufgehen lassen. Dabei den Teig nach 8 und nach 16 Stunden je 5x dehnen und falten.
  3. Den Teig vierteln, runde Teiglinge formen und auf eine bemehlte Unterlage setzen. Optional mit den Fingerspitzen einen 1cm breiten Rand abdrücken.
  4. Mit einem Tuch bedecken und 30 Minuten ruhen lassen.

Den Teig lässt sich mehrere Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Backen im Backofen

  1. Backblech leer, ohne Backpapier im Ofen platzieren.
  2. Den Ofen so heiss wie möglich vorheizen. 220° ist ok, mehr ist besser.
  3. Die Teiglinge entweder geschickt auf dem Handrücken und mit Hilfe der Schwerkraft zu einer Pizza formen. Oder wie ich: Auswallen.
  4. Auf ein Backpapier platzieren, mit Tomatensauce dünn bestreichen und mit den üblichen Pizzazutaten dekorieren.
  5. Sofort das heisse Blech aus dem Ofen nehmen und das Backpapier mit der Pizza darauf transferieren. (Andernfalls durchnässt die Sauce den Teig.)
  6. Backzeit bei 220° ca. 15 Minuten, bei höheren Temperaturen weniger.

Backen im Pizzaofen

A und ich beim Pizzajonglieren
A und ich beim Pizzajonglieren

Für noch schnellere Backzeiten ist ein Pizzastein im Backofen oder gleich ein Pizzaofen zu empfehlen. In unserem siedlungsinternen Pizzaofen dauert das Backen bei 500° noch ein paar wenige Minuten.

Für Know How diesbezüglich lädst du dich am einfachsten nach der Pandemie bei uns zum Pizzaessen ein.

Letzter Tipp: Wir würzen die Tomatensauce gerne mit dem feinen Toscana-Gewürz welches wir in Schaffhausen beim Scharfen Sultan entdeckt haben.

Novelette zum Wochenende: Tina Connolly – The Last Banquet of Temporal Confections

Gerade in der fantastischen Kurzgeschichte-Sammlung Worlds Seen In Passing von Tor gelesen: Die Novelette The Last Banquet of Temporal Confections von Tina Connolly.

Hugo-nominiert und genau richtig um in Erinnerungen an längst vergangene Weihnachtsgüetzi zu schwelgen.

Kurzkritik: Soul

Der neueste Film von Pixar ist eine animationstechnische Augenweide mit einem abwechslungsreichen Soundtrack und einer existenziellen Story. Absolut sehenswert.

Ist online streambar. Aber es gab einige Sequenzen welche ich mir gerne auf einer Grossleinwand im Kino angesehen hätte. Tja nu.

PHP-Package: temporal-shelf

Das dritte Packet aus dem aktuellen Refactoring von api.existenz.ch ist temporal-shelf.

Die kleine Utility-Klasse erlaubt es Dateien in ein Archiv zu kopieren, in einer Jahr/Monat/Tag-Struktur abgelegt und versehen mit einem Zeitstempel.

Beispiel: daten.txt wird kopiert nach /archiv/2020/11/09/1604953664_daten.txt.

Spannendes Detail: Mit dem Package vfsStream kann ein virtuelles Dateisystem im Speicher erstellt werden, in welchem bequem und ohne Seiteneffekt die Unittests ablaufen.

Rätseln zum Wochenende: Cracking the Cryptic

Vor einigen Monaten ging das Video zum Miracle-Sudoku vom Kanal Cracking the Cryptic viral. Mit authentischem Enthusiasmus und einem schönen britischen Akzent löste darin Simon Anthony eine Sudoku-Variante und liess auch an mir das Interesse an diesen Logikrätseln wieder aufflammen.

Dem Kanal folge ich nicht mehr, die Menge von Videos wurde mir zu viel. Aber ich möchte hier meine Begeisterung für die Arbeit von Mark Goodliffe und Simon teilen: Die Videos, die dazugehörigen Online-Rätsel, den Austausch über Patreon, Discord, Kickstarter etc.

Besonders Freude habe ich an den technisch brilliant gelösten Apps gefunden: Handgemachte Sudokus in verschiedenen Varianten. (iOS, Android, Steam).

Endlose Unterhaltung für düstere Herbstabende.