Zur Vereinsgründung von Opendata.ch

Es ist einfacher an Ideen zu kommen, wenn Daten vorhanden sind, als an Daten zu kommen, wenn man eine Idee hat.

Mit dieser Motivation versucht der neu gegründete Verein Opendata.ch nichts geringeres als eine Revolution der Verwaltung auf Ebenen Gemeinden, Kantone und Bund zu erreichen: Grundsätzlich sollen alle Daten der Regierung, welche dank Öffentlichkeitsprinzip sowieso öffentlich sind, in einer technisch möglichst einfach erreichbaren Form zur Verfügung gestellt werden. Gewisse Studien sprechen von einem Milliardenpotential, welches durch solche offene Daten freigeschaltet wird. Details zum Vorgehen sind im Opendata-Manifest zusammengefasst.

Leider fehlen im Moment noch konkrete Anwendungen welche über einfach Spielereien herausgehen. Beispielsweise sind die Projekte vom letzten Make-Day allesamt nett, grosses wirtschaftliches Potential lässt sich aber nicht direkt erkennen. Das erschwert die Diskussion und das Verständnis für die Anliegen von Opendata.ch. Und sämtliche Bürokraten der Schweiz zu grösserer Transparenz zu erziehen, wird auch kein Zuckerschlecken werden.

Ich persönlich unterstütze die Ziele von Opendata.ch und wurde bereits an der Gründungsversammlung Mitglied. Ich wünsche viel Erfolg. Und viel Geduld.

Kurzkritik: Star Wars Uncut

Alle 15 Sekunden ein abrupter Stilwechsel: Für Star Wars Uncut haben knapp 500 Personen das Original Schnipsel für Schnipsel neu verfilmt, animiert oder wasauchimmer. Jede erdenkliche Technik kam dabei zum Einsatz. Das Endprodukt ist nun erschienen und kann online betrachtet werden.

Was mich dabei erstaunt hat, ist dass der Originalfilm auch in dieser eher konfusen Form dank seiner kompakten Erzählstruktur immer noch erstaunlich unterhaltsam ist. Trotz einer Dauer von zwei Stunden.

Kurzkritik: The Mongoliad (Season 1)

Neal Stephenson produziert zusammen mit Greg Bear und einer Gruppe von Mittelalterfreaks seit über einem Jahr einen Epos zur Zeit der mongolischen Invasion von Europa namens The Mongoliad. Es handelt sich um historische Fiktion, sie versuchen zwar die Kämpfe möglichst detailgetreu nachzustellen, nehmen sich aber bei der Geschichte Freiheiten heraus. Ungefähr im Wochentakt erscheinen neue Kapitel, soeben ist die erste Season abgeschlossen und die zweite angekündigt. Abgerundet wird das Werk mit Illustrationen, Videos, Entwürfen etc. Die Erscheinungsform ist ein grösseres Publikationsexperiment.

Ich bekomme nie genug von Neal Stephenson und verfolge die Story mit Vergnügen. Wahrscheinlich nicht sein grösstes Werk, aber spannend allemal.

Kurzkritik: Intouchables

Sehr witziger Film mit klassischer Geschichte (Zwei Personen aus unterschiedlichen Milieus lernen sich zu respektieren yadda yadda yadda…). Ich bin positiv überrascht, dass Intouchables nicht kitschig wurde. Hollywood hätte das ganze viel vergessenswürdiger produziert.

Kurzkritik: Ian M. Banks Culture-Romane

Bingemässig habe ich in den letzten drei Monaten sämtliche Culture-Romane und Kurzgeschichten von Ian M. Banks gelesen. Es handeln sich fast ausschliesslich um Science Fiction-Werke in einer Nachknappheitsgesellschaft.

Meine Kurzkritken in chronologischer Reihenfolge des Erscheinens:

Consider Phlebas
Nett.

The Player Of Games
Eindrucksvoll. Ein guter Einstieg in die Welt.

Use Of Weapons
Langweilig, aber im Kontext mit Surface Detail spannend.

The State Of Art
Witzig.

Excession
Extrem unterhaltsame Hardcore-Science Fiction.

Inversions
Der Ausreisser aus der Serie spielt in einem Mittelalterszenario. Mittelmässig.

Look To Windward
Nett, Teil 2.

Matter
Spannend.

Surface Detail
Sehr spannend.

Alles in allem wunderbare Unterhaltung mit einigen bedenkenswerten Ideen. Ich freue mich auf mehr.

Doku zum Wochenende: Press Pause Play

In meinem vorherigen Beitrag könnte der Link untergegangen sein: Die Dokumentation Press Pause Play kann man gratis herunterladen oder bei verschiedenen Anbietern kaufen.

Dieser 80 minütige Film diskutiert die Frage, ob die neuen technologischen Errungenschaft nur mehr oder auch bessere kulturelle Erzeugnisse ermöglichen.

Wohlklingend sanfte und differenzierte Töne in einer turbulenten Diskussion.

(Via Habi.)

Cory Doctorow über Urheberrecht in der Informationsgesellschaft

„What the hell are these people thinking?“ war die Frage eines Zuschauers am Schluss von Cory Doctorows Vortrag über die Politik des Copyrights (6. Dezember 2011, im Walcheturm Zürich).

Soweit ich verstehe, ist folgendes passiert:

Die althergebrachten Geschäftsmodelle der Unterhaltungsindustrie sind durch die technische Entwicklung aus dem Lot geraten. Vor 10 Jahren verlor die Musikindustrie ihr Distributionsmonopol. Die Filmindustrie sah zu und wurde wenige Jahre später selber zum Opfer von steigender Bandbreite und den digitalen Verteilungsmechanismen, welche effizienter sind als Plastikscheiben durch die Welt zu schicken. Die Buchindustrie sah zu und hoffte auf den Konservatismus der Leser und nahm den wachsenden E-Book-Markt nicht ernst.

Alle verschlossen die Augen und hofften, dass es nur die anderen trifft.

Und dann kamen die Computerfirmen und übernahmen den Markt. Apple iTunes, Netflix, Amazon Kindle etc. sind jetzt der primäre Zugang für den Medienkonsum. Und haben die Kontrolle übernommen: Apple hat der Musikindustrie DRM ausgeredet, Netflix wird selber zum Produzenten (Weil sie es sich leisten können und ihre Kunden besser kennt, als je ein Filmstudio zuvor.) Und Amazon hat mit 70-80% Marktanteil ein besonderes Problem für Verlage geschaffen: Sie müssen bei Amazon publizieren, aber Amazon hebelt das klassische Verlagsmodell mit ihren selbstpublizierenden Autoren zunehmend aus. Dank dem Kindle-DRM, auf dem die Verlage insistieren, sind die Konsumenten effektiv bereits an Amazon gebunden.

Gleichzeitig erleben die bisherigen Konsumenten eine neue Art von Macht: Die Möglichkeit, mit einfach verfügbaren Mitteln die eigene Kreativität auszuleben. Oder wie es Moby in der Doku Press Pause Play ausdrückt:

In the Olden Days of thirty/fourty/fifthy years ago, people didn’t make things. So people would go to photography exhibits, people would go buy records and there were professional artists. And now everybody is a photographer, everybody is a filmmaker, everybody is a writer, everybody is a musician. […] Anybody can makit it. They know the secrets now.

Und was macht eine ganze Industrie, wenn gleich von zwei Seiten unter Druck gerät? Sie versucht der technischen Entwicklung mit politischem Lobbying Einhalt zu bieten. Das Resultat sind völlig wirklichkeitsfremde Gesetze wie ACTA und SOPA, welche auf nicht-demokratischem Wege durchgepeitscht werden müssen, damit sie überhaupt eine Chance haben, in Kraft zu treten.

Es sind interessante Zeiten, verwirrende Zeiten, aufregende Zeiten, aber die Guten Alten Zeiten werden nicht wieder zurück kommen. Und können nicht per Gesetz erzwungen werden. Davon bin ich überzeugt.

…we’ve moved on.

Den vollständigen Vortrag gibt es auf Allmend.ch.