Aare-Temperatur im Home Assistant

Auf der Suche nach einer einfachen Möglichkeit die Zimmertemperatur für spätere Analysen über längere Zeit aufzuzeichnen, bin ich nach einigen Umwegen auf das fantastische Heimautomatisierung-Projekt Home Assistant gestossen.

Ich befinde mich noch in der Einarbeitungszeit, aber das Wichtigste zuerst: Die aktuelle Aare-Temperatur als Sensor.

sensor:
  - platform: rest
    name: Aare
    resource: http://aare.schwumm.ch/aare.json
    unit_of_measurement: "°C"
    value_template: '{{ value_json.temperature }}'

Als Icon schlage ich mdi:waves vor.

Statt stundenlanger vager konzeptioneller Gespräche…

…erstellt man lieber schnell ein Mockup und nach zehn Minuten sprechen alle vom Gleichen.

Mein bevorzugtes Werkzeug dazu: Balsamier Mockups. Wunderbare Funktionalität, übersichtliche Elemente, gute Shortcuts, versteckte Komplexität.

Der Look der Mockups ist übrigens extra orientiert an handschriftlichen Notizen, nicht dass ein Kunde noch auf die Idee käme, das Produkt sei schon fertig.

Der Aare.guru und Open Data

Ein Nachtrag zur Erfolgsgeschichte des Aare.guru: Das Projekt wäre nicht ohne grösseren Aufwand möglich gewesen, ohne die unkomplizierte Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt.

Die Temperatur-Prognose benutzt zusätzlich Daten, welche die MeteoSchweiz auf dem Open Data-Portal des Bundes veröffentlicht.

Für die Aare-Daten betreibe ich bereits seit einigen Jahren eine kleine API. In Kürze werde ich die Version 2 dieser API fertig gestellt haben, ergänzt mit den Tageswerten extrahiert aus den PDFs der Jahrestabellen. Ich hoffe damit einen sauberen Zugang zu den Daten zu bieten, welcher einfach zu integrieren ist und gleichzeitig die Infrastruktur des Bundes nicht unnötig belastet.

Meine API wird bereits von mehreren Apps und Webseiten zu unterschiedlichen Zwecken benutzt. Beispielsweise gestaltete der Matte-Bewohner Marc Beekhuis eine Wasserstandsanzeige für sein gelegentlich von Hochwasser bedrohten Quartier.

Aare.guru – Was bisher geschah

Aare.guru Logo

2011 habe ich begonnen die vom Bundesamt für Umwelt gemessene Aaretemperatur aufzuzeichnen. Meine grossen Pläne verwirklichte ich aber damals nicht. Ausser einer kleinen Temperaturanzeige und einer einfachen API für die Daten entstand nichts.

Etwa zur gleichen Zeit hat Kaspar Allenbach, ein mir damals unbekannter Grafiker ebenfalls eine neue Aare-Webseite lanciert. Grafisch war sie der meinen absolut überlegen, allerdings entwickelte er sie ebenfalls nicht weiter.

2013 stellten wir bei Meteotest nun zufälligerweise Kaspar Allenbach als Grafiker an. Schnell entstand die Idee eine gemeinsame Aare-Webseite zu erschaffen. Lange diskutierten wir, ernsthaft begonnen haben wir mit der Entwicklung aber erst Anfangs 2015: Kaspar kümmerte sich um das Design, ich um das Backend und die Daten. Reto Lehnherr stiess ebenfalls dazu und begann mit der Entwicklung der iPhone-App.

Coden im Vaterschaftsurlaub

Das ganze Projekt zogen wir in unserer Freizeit durch, aus reiner Freude an der Sache. Mit Hilfe von Github, Dropbox und Slack kollaborierten wir vor allem in den Abend- und Nachtstunden intensiv. Die Zeit drängte: Wir wollten unbedingt vor den ersten Schwimmtagen fertig sein.

if(itzt - aareguru.wennIschEsGsii > aareguru.maximausAlter) {
	    aareguru.opdeit();
}

(Dümmer als berndeutsche Commitlogs ist wohl nur berndeutscher Code. Dafür habe ich gelernt, dass Umlaute in JavaScript-Variablennamen nicht in allen Browsern funktionieren.)

Nach einer besonders intensiven Phase des Programmierens (Vaterschaftsurlaub sei Dank) lancierten wir die Webseite Ende Mai und reichten die App am 31. Mai bei Apple ein. Und wurden völlig überrumpelt, als sie bereits einen Tag später im App Store erhältlich war. Und draussen begann die Sonne zu scheinen und kündigte einen Rekordsommer an.

Plötzlich ging alles schnell: Schon am Tag darauf sassen wir vor der Linse einer Bund-Fotografin und der Artikel dazu erschien wenig später. Zusammen mit einem 20 Minuten-Artikel schnellten die Download-Zahlen sofort in die Höhe.

DSC05326

Das Projekt war ein voller Erfolg. Wir lehnten uns den ganzen glorreichen Sommer zurück, badeten im Fluss und in der Aufmerksamkeit, und fühlten uns wie die Könige von Bern.

Ende Saison hatten wir über 100’000 Besuche auf der Webseite und 5000 Downloads der App erreicht.

Iglu boue bringts meh

Eine wichtige Lektion: All unsere coolen Features wie Aare-Temperaturprognose und minutengenaue Sonnenuntergangsanzeigen verblassten vor dem Lokalkolorit der berndeutschen Texte. Insbesondere sind die Temperatursprüche zitierbar und das führte zu wiederholten Erwähnungen des Aare.guru in der Presse.

Beflügelt von unserem Erfolg und etwas beschwipst nach einer „Sitzung“ im Barbière reichten wir die App im Herbst bei den Best Of Swiss Apps Awards 2015 ein. Unser Hobbyprojekt passte genau in die Kategorie Young & Wild und die Teilnahmegebühr dieser Kategorie passte genau in unser Budget.

Wenige Wochen vor der Preisverleihung erhielten wir ein Telefonat von den Organisatoren: Wir sind bei den Favoriten mit dabei und sie brauchen ein Werbevideo für die App von uns. Innerhalb zweier Wochen.

Kein Problem, antworteten wir, schliesslich war die Schwimmsaison vorbei und wir hatten wieder Zeit für solche Spässe. Das Material war schnell beisammen: Ein Storyboard auf einer A4-Seite, eine Digitalkamera, ein altes Mikrofon, ein geliehenes Fotostudio und ein spontan gedrucktes T-Shirt. Zufälligerweise hatte ich im Sommer ein paar Aare-Timelapses mit dem iPhone gemacht, kombiniert mit eingekauftem Ukulele-Sound, ein paar Animationen von Reto und frischen Porträtaufnahmen von Kaspar entstand in ein paar Nachtschichten unsere Johnny Ive-Parodie.

Stolz auf unser Werk warteten wir die Award-Gala ab…

Best Of Swiss Apps Award

…und wir gewannen Gold! Aare.guru gehört jetzt hochoffiziell zu den Besten Apps der Schweiz.

Motiviert ziehen wir uns in unsere Winterhöhlen zurück und basteln weiter. Der nächste Sommer kommt bestimmt, möge er so golden scheinen wie der diesjährige.

Das Ende der SMS (Und Threema)

Notifikationen nach den Ferien

In unseren zwei Ferienwochen habe ich auf mein iPhone grösstenteils verzichtet. Nach der Rückkehr ins heimische Datennetz ergab sich folgendes Bild:

  • 58 Mails
  • 87 WhatsApp-Nachrichten
  • 65 Slack-Notifikationen
  • 1 SMS (Eine Roamingmeldung von einem obskuren Telecom-Dienst)

Fazit: SMS ist tot. Und die verschlüsselte Alternative Threema konnte sich gegen den übermächtigen Netzwerkeffekt von WhatsApp leider auch nicht behaupten.