Kurzkritik: The Wheel Of Time

14 Bücher, 23 Jahre, 2 Autoren brauchte es, bis die Fantasyreihe The Wheel Of Time ihren Abschluss fand. Ich habe vor vier Jahren mit der Lektüre begonnen und bin heute damit fertig geworden.

Robert Jordan nimmt sich extrem viel Zeit für eine Vielzahl an Personen, Kulturen, Kleidungsbeschreibungen, inneren Monologen, Intrigen, Kriege und Liebesgeschichten. In der Mitte der Reihe kommt deshalb die Handlung fast zum Stillstand. Erst nach seinem Tod dreht die Serie unter Brandon Sanderson für ein fulminantes Finale nochmals voll auf.

Ich mochte die Charakterentwicklung und den Weltaufbau. Ich konnte die Frauenfiguren und die Langatmigkeit nicht ausstehen. Die Geschichte wäre auch auf halb so viel Papier erzählbar gewesen.

Fans des Genres wissen, auf was sie sich einlassen. Allen anderen rate ich von The Wheel Of Time ab.

Kurzkritik: Reamde

Mein Lieblingsautor Neal Stephenson hat sich dieses Mal mächtig ins Zeug gelegt und ein derart rasantes Buch geschrieben, welches keine Pause zulässt um über die absolut übertriebene Geschichte zu reflektieren: An einer Stelle bemerkt sogar die Protagonistin dass sie innerhalb einer Woche von der russischen Mafia, von islamischen Terroristen und kanadischen Bären bedroht wurde.

Die unwahrscheinliche Handlung wird mit Stephenson-typischen geekigen kleinen Ausflügen zerpflückt, welche in Reamde allerdings im Gegensatz zu seinen früheren Werken etwas in den Hintergrund geraten. Dadurch empfand ich das Buch mehr als Popcornliteratur denn Gedankenfutter. Ist manchmal auch ganz schmackhaft.

Kurzkritik: The Mongoliad (Season 1)

Neal Stephenson produziert zusammen mit Greg Bear und einer Gruppe von Mittelalterfreaks seit über einem Jahr einen Epos zur Zeit der mongolischen Invasion von Europa namens The Mongoliad. Es handelt sich um historische Fiktion, sie versuchen zwar die Kämpfe möglichst detailgetreu nachzustellen, nehmen sich aber bei der Geschichte Freiheiten heraus. Ungefähr im Wochentakt erscheinen neue Kapitel, soeben ist die erste Season abgeschlossen und die zweite angekündigt. Abgerundet wird das Werk mit Illustrationen, Videos, Entwürfen etc. Die Erscheinungsform ist ein grösseres Publikationsexperiment.

Ich bekomme nie genug von Neal Stephenson und verfolge die Story mit Vergnügen. Wahrscheinlich nicht sein grösstes Werk, aber spannend allemal.

Kurzkritik: The Stars My Destination

Alte (Aus den 50er/60er-Jahren) Science-Fiction-Literatur finde ich oftmals eher plump und wenig erbaulich im Vergleich zu Werken aus der Cyberpunk-Ära. Daher war sehr positiv überrascht von Albert Besters Werk The Stars My Destination von 1956. Geschwindigkeit, Humor und eine abgedrehte Welt, welche in den letzten 60 Jahren gut gealtert ist, lassen dieses Buch irgendwie frisch wirken.

Link zum Wochenende: George Orwell’s Tagebuch ‚live‘

Mit exakt 70 Jahren Verspätung publiziert The Orwell Prize jeweils den aktuellen Eintrag in den Tagebüchern von George Orwell (Berühmt besonders für seine Bücher 1984 und Farm Der Tiere).

Das Projekt beginnnt heute und wird in 4 Jahren enden. Es beschreibt die Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg (An dem Orwell teilgenommen hatte) bis hinein in den 2. Weltkrieg. Er war damals noch als Journalist tätig und hatte seine bekanntesten Werke noch nicht geschrieben.

Link zum Wochenende: Cory Doctorow-Comics

Einige Kurzgeschichten des SF-Autors Cory Doctorow wurden als Comics interpretiert: Futuristic Tales Of The Here And Now. Ein toller Einstieg in seine manchmal hyperrealistische und manchmal einfach herrlich schräge Welt.

Wie bei allen anderen Texten von Cory ist auch dieses Werk unter Creative Commons frei erhältlich, zum PDF- und CBZ-Download geht es hier via Archive.org. (Englisch.)

Ich weiss nicht wie ich das verpassen konnte, herzlichen Dank an Jan@Piecoplastic für den Link.

Fragen die mich bewegen: Was fragt man seinen Lieblingsautoren?

Was fragt man seinen Lieblingsautoren? (Aktuell: Neal Stephenson beantwortet Fragen über Anathem) Man will schliesslich seine aufrechte Bewunderung ohne peinlich zu sein kommunizieren.

Was fragt man überhaupt irgendwelche Berühmtheiten die einem über den Weg laufen?

Wie finden Journalisten interessante Fragen für Interviewpartner die nicht ihre Lieblingsautoren/CEOs/Musiker/Kaffeeproduzenten sind?