TEDxBern 2012

Anfangs September durfte ich an der ersten Ausgabe der TEDxBern teilnehmen und war vollends begeistert: Abwechslungsreiche und interessante Vorträge, eine makellose Organisation und ein interessiertes Publikum hinterliessen bei mir den Eindruck, dass ich Teil eines aussergewöhnlichen Anlasses war.

Speziell den letzten Punkt habe ich in der Schweiz noch nie erlebt: Ein aufgeschlossenes Publikum, welches in der grosszügigen Abendpause sich gemischt und gemingelt hat, als ob wir keine Schweizer wären.

Milchbuch vs. Postfinance E-Cockpit

Indexseite Milchbu.ch

Seit ein paar Jahren trage ich die Idee für eine Webapplikation im persönlichen Finanzbereich mit mir herum. 2010 registrierte ich dafür die Domänen milchbu.ch und milchbuch.ch.

Der Motivation ist einfach: Ich habe keine Ahnung, wofür ich mein Geld genau ausgebe. Meine Ausgaben von Hand mit einer App zu erfassen ist mir zu mühsam, nie ziehe ich das länger als eine halbe Stunde konsequent durch. Und die Postfinance erledigt dank meinem relativ konsequenten Einsatz der Postcard diese Arbeit bereits für mich. Zusätzlich lasse ich mir bereits seit 2004 meine Kontauszüge im XML-Format liefern, immer mit dem Gedanken irgendwann mal etwas aus den Daten zu machen.

Als ich dann noch A. dabei erwischte, ihre ausgedruckten Kontoauszüge mit Farbstiften zu bearbeiten, wurde mir klar, dass das Milchbuch grosses Potential hätte. Ich würde es programmieren, tausende von Benutzern haben, Premiumfunktionen verkaufen, Ruhm und Geld ernten und es schlussendlich in einem etwas unsauberen Deal für einen Millionenbetrag an eine Bank verscherbeln.

Soweit der Plan.

Mit der Implementation haperte es noch etwas, ich hatte viele Notizen und Skizzen, aber zum Programmieren kam ich kaum.

Und dann lancierte die Postfinance im April 2012 das E-Cockpit und nahm mir die ganze Arbeit ab.

Die Funktionalität ist ziemlich dieselbe, wie ich sie mir vorgestellt habe: Statistiken, automatische Kategorisierung, Aufteilen von Bargeldbezügen, Trends über längere Zeiträume. Sogar die gleiche Graphenbibliothek hätte ich eingesetzt.

Fundamentaler Unterschied ist nur die Kategorisierung: Wo Milchbuch zu Beginn mühsam lernen hätte müssen, welches Konto zu welcher Sparte gehört (Coop verkauft Lebensmittel, Mobility gehört zur Mobilität, Kitag ist Unterhaltung…), kann die Postfinance auf interne Daten zurückgreifen und schaffte es, in meinem Fall über 90% der Transaktionen automatisch zu kategorisieren.

Einen weiteren Vorteil spielt die Postfinance nicht ganz aus: Die Kontoauszüge hätten im Milchbuch von Hand importiert werden müssen. Das E-Cockpit hingegen erhält die Transaktionen direkt geliefert, braucht aber komischerweise mehrere Tage dazu.

Dafür hätte das Milchbuch ein grösseres Potential gehabt: Nichts hätte mich davon abgehalten, auch andere Bankdaten als nur diejenigen der Postfinance zu importieren. Eine Premiumfunktion wäre die Verwaltung von mehreren Konten gewesen, eine andere die Möglichkeit, Vereinsfinanzen darüber zu erledigen.

Nun verabschiede ich mich von meiner Idee ohne grosse Trauer: Das E-Cockpit erfüllt meine persönlichen Ansprüche vollständig, mein Problem ist damit gelöst.

Und ganz umsonst war die Arbeit nicht: Zum einen wurde meine Idee validiert. Und zum anderen lernte ich einmal mehr die Lektion, dass Ideen wertlos sind. Nur die Ausführung zählt.

Kickstarter zum Wochenende: The Great Giana Sisters

Eigentlich will ich mich seit dem Interview mit William Gibson nicht mehr in Nostalgie schwelgen (Zitat: Nostalgia is a dysfunction of the historical impulse, or a corruption of the historical impulse.).

Gelegentlich bricht setzt sie sich aber bei mir trotzdem durch: Auf Kickstarter läuft das Project Giana, um das Jump’n Run-Spiel The Great Giana Sisters wieder aufzuwecken.

Ich habe das Original dazumal, vor etwa 20 Jahren auf meinem heissgeliebten C64 gespielt. Und ich bin nicht unglücklich über die Renaissance der damaligen Spiele auf den neuen Plattformen wie iOS.

Ferien wie echte Schweizer

Die letzten zweisamen Ferien von A. und mir verbrachten wir in Ruhe in einer schönen Wohnung im Tessin. Und erlebten für einmal, was Ferien für echte Schweizer bedeutet: Stundenlanges Autobahnfahren, geschicktes Ausweichen auf die Passstrasse, stockender Kolonnenverkehr auf den Betonstrassen der Magadino-Ebene, Einparkieren zwischen riesigen metallic-grauen und schwarzen Innerschweizern SUVs und dann endlich, der Gemeinschaftspool inkl. Nachbarschaftsintrigen und anonymer Nachrichten. Shoppen in Luino, Gelati am Laufmeter, Grotto und Merlot, Anstehen im Coop Tenero, Feuerwerk auf dem See, Essen im Seven in Ascona, ino in Locarno und dann wieder im Stau vor dem Gotthard.

Entspannend, aber irgendwie extrem gewöhnlich.